Über 300 „kleine Hacker“ in der Ernst-Reuter-Schule

CyberCollege 14.12.2018

Fahrzeuge werden mit dem Handy ferngesteuert und passieren die elektronisch gesteuerte Parkhausschranke, die Schülerinnen und Schüler der Ernst-Reuter-Schule staunen und applaudieren. Von Informatik ohne Computer über Programmieren lernen mit Snap oder Minecraft bis hin zum Verbauen von Einplatinencomputern: Am Mittwoch, 12. Dezember, fand die größte, je veranstaltete Hacker School in der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe statt. Klar, dass die Programmier-Erfolge am Ende des Events stolz präsentiert und gebührend gefeiert wurden.

IT-Nachwuchs hackt was das Zeug hält

Insgesamt über 300 Schülerinnen und Schüler, 70 professionelle Programmierer und Entwickler, sogenannte Inspirer, sowie zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer verwandelten die Ernst-Reuter-Schule in eine riesige Tüftlerburg. Die Hacker School ist ein Projekt des Hamburger i3 e.V. und möchte Jugendliche für das Programmieren begeistern. Das ehrenamtliche Engagement ist dringend notwendig, denn das Schulfach Informatik hält bislang nur selten Einzug in Lehrpläne an deutschen Schulen – obwohl der Bedarf an Nachwuchs-Programmierern und -Entwicklern in Unternehmen groß ist. 82.000 Stellen sind aktuell im IT-Sektor unbesetzt. Mit einem regelmäßigen Kursangebot in verschiedenen Städten möchte die Hacker School einen Beitrag dazu leisten, dass junge Talente früh für Informatik sensibilisiert, entdeckt und bei ihrer Entfaltung unterstützt werden.

Karlsruher Technik-Initiative unterstützt Hacker School

Mit dabei war natürlich die Karlsruher Technik-Initiative: Bis in den Abend wurde in drei Gruppen konstruiert und programmiert. Dirk Fox, Initiator der Karlsruher Technik-Initiative, betreute als Inspirer selbst einen Kurs: „Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Begeisterung die Schülerinnen und Schüler sich auf die Beschäftigung mit Technik einlassen und in diesem motivierende Rahmen innerhalb eines Tages lernen, ihre Modelle selbst zu programmieren. Ein großartiges Event – im wahrsten Sinne des Wortes, denn eine derart große Hacker School mit über 300 Teilnehmenden gab es bislang in Deutschland noch nicht!“

Sechs Mitarbeiter der Karlsruher Technik-Initiative haben an der Pilotveranstaltung mitgewirkt und Kurse für 30 Schülerinnen und Schüler angeboten, die ihre selbstgebauten fischertechnik-Modelle mit Scratch zum Leben erwecken konnten. Die Karlsruher Technik-Initiative wurde durch die Leihgabe von fischertechnik-Material von der Pädagogischen Hochschule und dem Stadtmedienzentrum bei der Umsetzung ihrer Kurse unterstützt. Das Thema stößt auch auf mediales Interesse: Vor Ort war ein Team des SWR und drehte für einen Fernsehbeitrag (ab Min. 10:28).

Auch Mädchen fürs Coden begeistern

„Besonders gefreut haben wir uns, dass so viele Mädchen an der Hacker School teilgenommen haben – das ist bislang eher eine Ausnahme“, erzählt Dörte Schäfer, Projektleiterin der Girls‘ Digital Camps im CyberForum. „Und das wollen wir auch mit unseren Girls‘ Digital Camps erreichen: Mädchen früh für Technik und Informatik, und damit fürs Coden zu gewinnen. Aktuell laufen die Vorbereitungen hierfür. Das Projekt wird vom Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg gefördert.“ 

Die Kurse der Hacker School richten sich an Jugendliche im Alter von 11 bis 18 Jahren. Vorkenntnisse oder gute Noten in Mathe oder Physik sind nicht erforderlich – im Mittelpunkt steht der spielerische Zugang zu Informatik.

Im Jahr 2014 hat die Karlsruher Technik-Initiative mit der Einrichtung von Technik-und Robotik-AGs an Schulen in Karlsruhe und der TechnologieRegion begonnen. Die Karlsruher Technik-Initiative ist ein Projekt des Hightech.Unternehmer.Netzwerk. CyberForum e.V. in Kooperation mit der Schülerakademie Karlsruhe, unterstützt von Karlsruher Unternehmen, dem Lions-Club Karlsruhe-Turmberg und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Mithilfe von Sponsoren konnten inzwischen über 40 AGs an Grund- und weiterführenden Schulen initiiert und ausgestattet werden. Anfang 2017 wurde Karlsruhe für diese Initiative von Körberstiftung, Stifterverband und Südwestmetall als "MINT+"-Region ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld wurde die Stelle eines MINT-Koordinators im CyberForum eingerichtet, der seitdem die zahlreichen MINT-Angebote der Region enger vernetzt. Durch den Einstieg eines Stifters im August 2018 ist die langfristige Finanzierung der Initiative gesichert.